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Besuch in Wiesenhaid 2014
Kalifornische Ahnenforscherin besucht letzte Wiesenhaiderin

Mitte September 2014 kam es in Wiesenhaid zu einem besonderen Treffen. Die letzte schwowische Wiesenhaiderin, Katharina Dürbeck, wurde von Darlene Sedlacek aus Kalifornien besucht. Die Amerikanerin war auf Besichtigungtour zu den Stätten an denen Ihre Ahnen einst gelebt hatten. Da Ihre Urgroßeltern, Franz Welsch (1873-1913) und Anna Prunk (1842-1916) aus Wiesenhaid stammen, durfte ein Besuch in unserem Dorf natürlich nicht fehlen. Die beiden Frauen waren sich auf Anhieb sympathisch. Während die Kathitant sich wohl geehrt fühlte, dass sie Besuch von so weit weg bekam, rief Darlene nach den ersten Begrüßungworten aus: "Sie spricht wie meine Mutter." Gemeint war, dass der Tonfall und die Art des Umgangs wohl ganz ähnlich waren. Denn Darlene spricht kein Deutsch und auch kein Schwowisch, sondern amerikanisches Englisch. Das Gespräch fand mit der Übersetzungehilfe des mitgereisten Redakteurs statt. Aber was schowische Wesensart und Gastlichkeit ist, hält sich anscheinend über Generationen und erkennt man auch ohne Worte.

Kathitants neues Haus

Die Kathitant führte die Besucher dann durch ihr neues Haus, das sie anstelle des alten, baufälligen hatte errichten lassen (siehe unser Bericht dazu von 2013). Es ist natürlich komfortabler als das alte, aber großteils noch mit den alten Möbeln eingerichtet, so dass die Besucherin einen doch recht guten Eindruck von der "typischen Ausstattung" eines früheren Wiesenhaider Dorfhauses, mit "guter Stube", Wohnbereich, (Winter-)Küche, wohl gefüllter "Speis", u.s.w. bekommen konnte. Da das Bad im neuen Haus noch nicht fertig ist, wurde uns draussen auch das alte "Plumpsklo" gezeigt, welches noch "in Betrieb ist". Hinter dem Haus war sogar noch ein Rest des alten Hauses zu besichtigen; die "Sommerkuchl", deren früherer Gebrauch im Jahreskreislauf erläutert wurde. Der Abriss dieses letzten Teils war für die kommenden Tage vorgesehen, da der Platz für einen neuen Schuppen genutzt werden sollte. Mit einem Blick in den kleinen Obst- und Gemüsegarten und dem Probieren der letzten Trauben direkt von den Rebstöcken endete der Rundgang durch Haus und Hof.

Schwowisch-slowakischer Friedhof

Anschließend wurde der Friedhof besucht. Dieser bietet im Vergleich zu den deutschen oder amerikanischen, welche oft beeindruckenden Parkanlagen entsprechen, bekanntlich einen leider traurigen Anblick. Der Wunsch der Ahnenforscherin auch Ahnengräber sehen zu können musste zwangsläufig auch deshalb unerfüllt bleiben, weil zu jener Zeit nur Holz- und Blechkreuze verwendet wurden, die über die vielen Jahrzehnte längst verfallen sind und das Wissen darüber wo die in den Jahren nach der Dorfgründung beerdigten Ahnen genau liegen ist verloren gegangen. Da niemand mehr da ist, der sich um den Friedhof als Ganzes kümmern kann, verfallen Grabsteine und Umrandungen und sogar die Betonabdeckplatten beginnen zu zerbröseln. Die Wege und die alten Grabhügelchen werden von Gras und Buschwerk überwuchert. Nur etwa zwei Mal jährlich macht sich jemand die Mühe dort das Gras zu mähen, für Gotteslohn bzw. für das Recht das entstehende Viehfutter zu verwerten. Nur da wo auch Kathitants Familie begraben liegt gibt es auf dem katholischen Friedhof einen gepflegten Bereich. In der Umgebung liegen auch die wenigen, neueren Gräber der noch in Wiesenhaid lebenden Katholiken. Es sind hauptsächlich Nachfahren slowakischer Einwanderer, die ungefähr zur selben Zeit als die Banater Dörfer hauptsächlich mit Deutschen besiedelt wurden, ursprünglich im nördlicher gelegenenen Bihor-Gebiet ansässig wurden und später südwärts zogen.

Orgeltest ohne Glockenspiel

Eine davon ist Monica, die Hüterin des Wiesenhaider Kirchenschlüssels und aktives Gemeindemitglied. Sie war so freundlich den Besuchern das Portal mit dem beeindruckenden Schlüssel aufzuschliessen und sie durch die Kirche zu begleiten. Da sie selbst schon in Wiesenhaid geboren und aufgewachsen ist, hat sie das  kirchliche Gemeindeleben schon von klein auf mitgemacht und kennt alle Ecken der Kirche von der Sakristei, über den Chor bis zum Glockenturm. Auch die Kathitant wollte uns nach oben zur Orgel begleiten und uns zeigen wie man den Blasebalg bedient. Da die Gäste es danach auch mal versuchen durften, konnten sie anschließend bewundernd feststellen, dass dies eine "ganz schön sportliche Leistung" ist und über die Energie der 90jährigen nur staunen. Von einem Besuch des Glockenturms wurde abgeraten, denn zu sehr und offensichtlich zeigt die Treppe nach oben beeindruckende Risse, die vom baufälligen Zustand künden. Auch sonst ist nicht zu übersehen, dass das Mauerwerk unten feucht und vom Deckenputz ein Teil herunter gefallen ist. Die Fassade ist angegriffen und das Turmkreuz steht schief. Sanierungsbedarf nennt man dies wohl üblicherweise. Aber wie so oft, fehlt es an den Mitteln für die Reparatur. Die derzeitige Ortsgemeinde zählt nur wenige Familien und kann eine Renovierung aus eigener Kraft nicht finanzieren. Gottesdienste finden hier auch nicht mehr statt. Der Pfarrer aus Neuarad holt die paar Messbesucher mit einem Minibus persönlich ab und bringt sie auch wieder zurück. So steht das Gotteshaus allein und verlassen mitten im Dorf. Im Innern verströmt es aber immer noch und trotz der wunden Stellen, beeindruckend barocke Schönheit und Behaglichkeit und kündet vom einst so regen Gemeinschaftsleben und dem hoffnungvollen Gottvertrauen der Wiesenhaider.

Anerkanntes Kulturdenkmal

Dies hat nicht nur die amerikanische Besucherin beeindruckt, die mit Sicherheit annehmen durfte, dass auch Ihre Ahnen dort in der Kirche gewesen sind, sondern muss wohl auch auf die staatlichen Behörden gewirkt haben, denn vor Kurzem wurde die Kirche in die Liste der nationalen Kulturdenkmäler aufgenommen. Dass dies nun kurzfristig dazu führt, dass Staatsgelder für eine Renovierung fliessen, bezweifelt Monica, hofft aber natürlich längerfristig darauf.

Nachdem die Kirchentür wieder ordentlich abgeschlossen war und die Kathitant es sich nicht nehmen liess Ihre Besucher mit einem Fläschchen "Original Wiesenhaider Schnaps" in Richtung Deutschland und Amerika zu verabschieden, fuhren die Ahnenforscherin und der Redakteur voller Dankbarkeit und nachhaltiger Eindrücke wieder aus dem Dorf hinaus.

Der Weg führte zum Tagesabschluss noch weiter zu einem anderen "must see" (amerikanisch für: "zwingende Sehenswürdigkeit") der Region: der Wallfahrtskirche in Radna.

(EW)

Die Fotos zu dieser kleinen Rundreise finden Sie hier:

>
Besuch in der Kirche von Wiesenhaid 2014

>
Fotos im Friedhof von Wiesenhaid 2014

>
Fotos der Sanierungsbaustelle Wallfahrtskirche Maria Radna.

 

Foto oben: Katharina Dürbeck (Banat) und Darlene Sedlacek (Kalifornien).

Foto unten: Das neue Haus der
Foto oben: Der letzte Rest des alten Hauses vor dem Abbruch: Die
Ein in Ehren gehaltenes Erbstück:
   Die Militärkiste des Vaters aus dem 1. Weltkrieg.

Foto oben: Das wollten die Gäste auch sehen, solang es noch steht: Das Foto oben: Noch ein altvertrautes Stück aus dem dörflichen Haushalt: Der Waschtisch.

Foto unten: Zum Abschied ein Gruss an alle weitverstreuten World-Wide-Wiesenhaider.
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